Dolomiten fotografieren Teil 1

In den Dolomiten zu fotografieren steht schon seit längerem auf meiner fotografischen To-Do-Liste. Damals bin ich mit dem Mountainbike über die Alpen geradelt und war von den Dolomiten so begeistert, dass ich dort unbedingt nochmal etwas ausgiebiger fotografieren wollte. Nun, 6 Jahre später und nach gut 900 km Autofahrt, befinde ich mich im Villnößtal mit der beeindruckenden Geislergruppe im Hintergrund und warte auf das richtige Licht.

Geislergruppe - nicht wie erhofft

Eine Dreiviertelstunde bin ich auf teilweise extrem schmalen und steilen Nebenstraßen unterwegs gewesen, um einen Standpunkt zu finden, von dem ich die nahe gelegene Kirche St. Magdalena im Goldenen Schnitt vor der Geislergruppe platzieren kann. Nun habe ich einen guten Platz, zufrieden bin ich trotzdem nicht. Zum einen ist die Kirche von einer unschönen Baustelle umgeben und zum anderen zeigt sich der Himmel nur grau in grau.

 

Eigentlich hatte ich auf das Alpenglühen gehofft, also dass die Bergspitzen von der untergehenden Sonne warm angestrahlt werden. Aber das fällt sprichwörtlich ins Wasser, somit bleibt mir nur ein wenig berauschendes Belegfoto.

Geislergruppe vom Villnößtal

Geislergruppe mit Kirche St. Magdalena - leider mit Baustelle und bei trübem Wetter

33 mm (APS-C) | 1,3 Sek. | f/11 | ISO 100 | 0,9 ND Grauverlaufsfilter

Wunderschöner Pragser Wildsee

Nach einem heftigen Gewitter in der Nacht, regnet es auch morgens noch sehr stark. Ich fahre zu dem 80 km entfernten Pragser Wildsee mit seinem türkisblauem Wasser und dem mächtigen Seekofel auf der Südseite. Nachmittags lockert es auf. Ich umwandere den See und mache diverse Bilder. Mein wichtigstes Hilfsmittel ist neben dem obligatorischen Stativ der Polfilter. Damit kann ich die Reflexionen auf der Wasseroberfläche reduzieren und so die Farbe des Wassers stärker hervorheben.

Pragser Wildsee

Pragser Wildsee

17 mm (APS-C) | 1/5 Sek. | f/8 | ISO 100 | 0,9 ND Grauverlaufsfilter

Schwierig sind die hohen Kontraste - der helle Himmel einerseits und die im Schatten liegenden dunklen Bäume andererseits. Das überschreitet den Dynamikumfang meiner Kamera. Ich nehme deshalb einen 0,9 ND Grauverlaufsfilter zu Hilfe. In einigen Fällen mache ich Belichtungsreihen, um diese später als HDR am Rechner zusammenzufügen.

Pragser Wildsee und Seekofel

Pragser Wildsee mit Seekofel

 17 mm (APS-C) | 1/8 Sek. | f/11 | ISO 100 | Polfilter und 0,9 ND Grauverlaufsfilter

Drei Zinnen - atemberaubendes Panorama

Am nächsten Morgen mache ich zum Sonnenaufgang noch einige Bilder und nehme spontan ein erfrischendes Bad im See. Dann geht es weiter zur Auronzo-Hütte nahe der Drei Zinnen. Dort parke ich und wandere dann zur Drei-Zinnen-Hütte. Das Panorama ist atemberaubend. Hier könnte ich Tage verbringen. Ich fotografiere von verschiedenen Standpunkten aus in unterschiedliche Richtungen. Oft reicht mein Weitwinkelobjektiv nicht aus, um die Weite der Landschaft einzufangen. Dann mache ich mit Hilfe meines Roundabout-NP-Panoramakopfes mehrere Hochformataufnahmen, die ich später am Rechner zusammenfügen werde.

Drei-Zinnen-Hütte, Paternkofel, Drei Zinnen

Drei-Zinnen-Hütte, Paternkofel und Drei Zinnen

17 mm (APS-C) | 1/100 Sek. | f/11 | ISO 100 | 0,9 ND Grauverlaufsfilter | Panorama aus 4 Hochformataufnahmen

Nach zahlreichen Aufnahmen stelle ich fest, dass ich meine Canon 80D aus Versehen auf JPEG statt RAW eingestellt hatte. Mist! Somit bleibt mir bei der Nachbearbeitung weniger Spielraum.

Drei-Zinnen-Hütte und Sextner Stein

Drei-Zinnen-Hütte und Sextner Stein

17 mm (APS-C) | 1/60 Sek. | f/11 | ISO 100

Abends, als die vielen Tagesausflügler wieder verschwunden sind, rolle ich auf einer Felsplatte meine Isomatte und meinen Schlafsack aus. Ich möchte unter freiem Himmel schlafen - mit Blick auf die Drei Zinnen. Leider ziehen entgegen der Wettervorhersage immer mehr Wolken auf. Als es dunkel ist zucken in der Ferne die ersten Blitze über den Himmel. Frustriert packe ich meine Sachen zusammen und mache mich im Licht meiner Stirnlampe zügig auf den anderthalbstündigen Rückweg zum Auto. Nicht lange, nachdem ich dort angekommen bin, öffnet der Himmel seine Schleusen und ich bin froh, nun im Auto zu sein.

Cimon della Pala bei traumhaftem Licht

Am nächsten Tag fahre ich zum Passo Rolle. Dort angekommen regnet es mal wieder. Somit habe ich einen Grund, im Auto etwas Schlaf nachzuholen. Gegen 18 Uhr breche ich schließlich bei Nieselregen und ohne viel Hoffnung auf gutes Licht zur 2 km entfernten Baita Segantini auf. Von dieser Berghütte soll man einen schönen Blick auf das Bergmassiv mit dem Cimon della Pala haben, der aufgrund seiner markanten Form auch als Matterhorn der Dolomiten bezeichnet wird. Ich laufe durch die tief hängenden Wolken hindurch und habe stellenweise keine 50 Meter Sichtweite.

 

Oben angekommen reißt plötzlich der Himmel auf, so dass ich zum ersten Mal die Bergspitzen sehen kann. Ich kann mein Glück kaum fassen. Das Panorama ist traumhaft. Ich mache viele Bilder, da sich das Licht aufgrund der schnell ziehenden Wolken ständig verändert.

Cimon della Pala

Cimon della Pala

24 mm (APS-C) | 1/5 Sek. | f/11 | ISO 100 | 0,9 ND Grauverlaufsfilter

Mein Wunschbild ist eine Spiegelung des Bergmassivs in dem nahegelegenen Weiher. Es dauert eine Weile bis der Wind nachlässt, so dass die Spiegelung sichtbar wird und gleichzeitig auch das Licht passt. Letztendlich wird meine Geduld belohnt und ich komme zu den Bildern, wie ich sie mir vorgestellt habe. Ich freue mich wie ein kleines Kind. Als es dunkel wird koche ich mir noch etwas und mache mich dann zufrieden auf den Rückweg zum Auto.

Cimon della Pala und Baita Segantini

Bergmassiv mit Cimon della Pala (ganz rechts) von der Baita Segantini aus

17 mm (APS-C) | 1/30 Sek. | f/11 | ISO 100 | 0,9 ND Grauverlaufsfilter | Panorama aus 4 Hochformataufnahmen

Fortsetzung folgt ...

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